Die Geschichte der Pomade – vom historischen Haarpflegemittel zum modernen Revival
Pomade gehört zu den traditionsreichsten Haarstylingprodukten der Welt. Seit mehreren Jahrhunderten werden parfümierte Salben, Fette und Öle verwendet, um das Haar geschmeidig zu halten, ihm Glanz zu verleihen und Frisuren zu formen.
Ihre größte Bedeutung für klassische Herrenfrisuren erlangte Pomade im späten 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Besonders zwischen den 1920er- und 1950er-Jahren prägte sie das gepflegte Erscheinungsbild von Filmstars, Musikern und eleganten Herren.
Nachdem Pomade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich an Bedeutung verloren hatte, erlebt sie heute weltweit ein Comeback. Zu den klassischen ölbasierten Rezepturen sind inzwischen moderne wasserbasierte Pomaden und UWB-Pomaden hinzugekommen.
Woher kommt das Wort Pomade?
Das Wort Pomade stammt vom französischen pommade und vom italienischen pomata. Dahinter steht das lateinische Wort pomum, das Frucht oder Apfel bedeutet. Frühe Salben sollen unter anderem mit zerdrückten Äpfeln oder Apfelbestandteilen parfümiert worden sein.
Ursprünglich bezeichnete Pomade nicht ausschließlich ein Haarstylingprodukt, sondern allgemein eine parfümierte Salbe. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff zunehmend mit duftenden Haarfetten und Produkten zum Formen und Glätten der Haare verbunden.
Pomaden im 17. und 18. Jahrhundert
Bereits im 17. Jahrhundert wurden parfümierte Pomaden zur Pflege und zum Stylen von Haaren und Perücken verwendet. Sie bestanden hauptsächlich aus tierischen Fetten, pflanzlichen Ölen und Duftstoffen. Perückenmacher stellten solche Pomaden her und verwendeten sie auch zur Pflege der aufwendigen Perücken ihrer Kundschaft.
Im 18. Jahrhundert gingen Pomade und Haarpuder häufig Hand in Hand: Die fettige Pomade half dabei, das Haar oder die Perücke zu formen und den anschließend aufgetragenen Puder zu binden. Verwendung und Zusammensetzung unterschieden sich je nach Epoche, Region und gesellschaftlichem Stand.
Pomade im 19. Jahrhundert
Im Laufe des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich Pomaden zunehmend als Produkte für die tägliche Haarpflege und das Styling. Historische Rezepturen enthielten Zutaten wie tierische Fette oder Mark, Rizinusöl und ätherische Öle.
Neue Rohstoffe und verbesserte Herstellungsverfahren ermöglichten zunehmend gleichmäßigere und länger haltbare Rezepturen. Neben traditionellen Fetten und Ölen kamen später Vaseline, Mineralöle und verschiedene Wachse zum Einsatz. Damit wurde die Grundlage für die klassische ölbasierte Pomade geschaffen, wie sie bis heute bekannt ist.
Die goldene Ära der Pomade
Zwischen den 1920er- und 1950er-Jahren gehörte Pomade zu den prägenden Stylingprodukten für Männer. Gepflegtes, glänzendes und ordentlich gekämmtes Haar war ein wichtiger Bestandteil des männlichen Erscheinungsbildes.
Filmstars und Musiker machten Frisuren mit klaren Konturen, definierten Scheiteln und glänzend zurückgekämmtem Haar weltweit berühmt. Pomade sorgte für den charakteristischen Glanz, hielt das Haar flexibel und erlaubte es, die Frisur jederzeit neu zu kämmen.
Zu den bekanntesten Pomadenfrisuren dieser Ära gehören:
- Slick Back
- Pompadour
- Side Part
- Ducktail, Tolle und weitere klassische Barbershop-Frisuren
Viele heute legendäre Pomadenmarken entstanden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Dosen, Werbemotive und charakteristischen Düfte sind bis heute eng mit der klassischen Barbershop- und Greaser-Kultur verbunden.
Der Niedergang ab den 1960er-Jahren
Ab den 1960er-Jahren veränderten sich Mode und Haarstyling grundlegend. Natürlichere, trockenere und später auch längere Frisuren wurden beliebt. Gleichzeitig kamen Haarspray, Schaumfestiger, Haargel und andere moderne Stylingprodukte auf den Markt.
Besonders in Deutschland und anderen Teilen Europas verschwand klassische Pomade zunehmend aus Drogerien und Friseursalons. Vollständig verschwand sie jedoch nie: In den USA, Großbritannien und verschiedenen Subkulturen wurde sie weiterhin verwendet.
Rockabillies, Teddy Boys, Greaser und Liebhaber historischer Frisuren bewahrten die klassische Pomadenkultur. Auch bekannte Traditionsmarken blieben erhältlich, obwohl sie in Europa häufig nur schwer zu finden waren.
Die Wiederentdeckung klassischer Pomaden
Ab den 1990er-Jahren und besonders in den 2000er-Jahren wuchs das Interesse an klassischer Herrenmode, traditioneller Rasur und historischen Haarstylingprodukten erneut. Das Internet erleichterte den Zugang zu alten Marken, internationalen Produkten und beinahe vergessenem Wissen über Pomade.
Gleichzeitig entstanden neue Hersteller, die klassische ölbasierte Rezepturen neu interpretierten. Aus kleinen Eigenproduktionen entwickelten sich moderne Pomadenmarken mit eigenen Düften, unterschiedlichen Festigkeitsgraden und neuen Stylingeigenschaften.
PomadeShop und das Pomaden-Revival in Europa
PomadeShop brachte Pomade nach Europa zurück. Gründer Stan Soldan hatte bereits in den 1980er-Jahren Interesse an den glänzenden, gepflegten Frisuren klassischer Film- und Musikstars entwickelt. In den 1990er-Jahren entdeckte er in einem australischen Barbershop traditionelle Pomaden in nostalgischen Metalldosen.
Im Mai 2008 eröffnete Stan Soldan PomadeShop als Deutschlands erstes Fachgeschäft für Pomaden und nostalgische Haarstylingprodukte. Zu einer Zeit, als klassische Pomaden in Europa kaum erhältlich waren, machte PomadeShop traditionelle Marken wieder zugänglich und vermittelte zugleich Wissen über Anwendung, Inhaltsstoffe und Geschichte.
Heute gehört PomadeShop zu den führenden Anlaufstellen Europas für klassische und moderne Pomaden. Stan Soldan ist außerdem Autor des ersten deutschsprachigen Fachbuchs über Pomaden und Hair Tonics – „Das Pomade-Buch“.
Das Barbershop-Revival der 2010er-Jahre
In den 2010er-Jahren eröffneten weltweit neue Barbershops, die klassische Haarschnitte, traditionelle Rasur und moderne Männerpflege miteinander verbanden. Frisuren wie Slick Back, Pompadour und Side Part wurden wieder populär.
Damit kehrte Pomade vom Nischenprodukt in das professionelle Haarstyling zurück. Neben traditionsreichen Marken entstanden zahlreiche moderne Hersteller und kleine Manufakturen, die neue Rezepturen, Düfte und Festigkeitsgrade entwickelten.
Pomade heute
Heute ist die Auswahl an Pomaden größer und vielfältiger als je zuvor. Neben klassischen ölbasierten Pomaden gibt es leicht auswaschbare wasserbasierte Pomaden und flexible unorthodoxe wasserbasierte Pomaden.
- unterschiedliche Festigkeitsgrade von weich bis sehr fest
- Oberflächen von matt bis hochglänzend
- klassische und moderne Duftkompositionen
- traditionelle und wasserbasierte Rezepturen
- Produkte für klassische und moderne Frisuren
Damit ist Pomade heute nicht nur ein historisches Stylingprodukt, sondern auch ein vielseitiger Bestandteil der modernen Barbershop- und Haarkultur.
Pomaden-Zeitleiste – die wichtigsten Meilensteine
Von den frühesten parfümierten Salben bis zur modernen Barbershop-Kultur zeigt diese Zeitleiste die wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der Pomade.
16. Jahrhundert – Ursprung des Namens
Der Begriff Pomade entwickelt sich aus Bezeichnungen für parfümierte Salben. Sein sprachlicher Ursprung führt über das Französische und Italienische zum lateinischen Wort für Frucht oder Apfel.
17. und 18. Jahrhundert – Pomaden für Haar und Perücken
Parfümierte Fette und Öle werden zum Stylen und Pflegen von Haaren und Perücken verwendet. Pomade dient außerdem als Grundlage für Haarpuder.
19. Jahrhundert – Neue Rohstoffe und Rezepturen
Pomaden verbreiten sich als Haarpflege- und Stylingprodukte. Neue Rohstoffe und Herstellungsverfahren legen die Grundlage für länger haltbare und gleichmäßigere Rezepturen.
1920er- bis 1950er-Jahre – Die goldene Ära
Pomade gehört zu den wichtigsten Stylingprodukten für Männer und prägt glänzende Frisuren wie Slick Back, Pompadour, Side Part und Ducktail.
1960er- bis 1990er-Jahre – Niedergang in Europa
Neue Frisuren und Stylingprodukte verdrängen klassische Pomaden aus vielen europäischen Geschäften. In anderen Regionen und verschiedenen Subkulturen bleibt die Tradition jedoch erhalten.
1980er-Jahre – Stan Soldans Begeisterung beginnt
Die glänzenden Frisuren klassischer Film- und Musikstars wecken Stan Soldans Interesse an traditionellen Haarstylingprodukten.
1990er-Jahre – Wiederentdeckung der Pomade
In einem australischen Barbershop entdeckt Stan Soldan traditionelle Pomaden in nostalgischen Metalldosen und beginnt, sich intensiv mit den Produkten und ihrer Geschichte zu beschäftigen.
2008 – PomadeShop eröffnet
Im Mai 2008 eröffnet PomadeShop als Deutschlands erstes Fachgeschäft für Pomaden und nostalgische Haarstylingprodukte und macht klassische Marken in Europa wieder leichter erhältlich.
2010er-Jahre – Das Barbershop-Revival
Klassische Barbershops, traditionelle Männerpflege und Frisuren wie Pompadour und Side Part erleben weltweit ein Comeback.
2017 – Sweet Georgia Brown wird Teil von PomadeShop
PomadeShop übernimmt die historische Pomadenmarke Sweet Georgia Brown und bewahrt damit eine der bekanntesten Traditionen der klassischen Pomadenkultur.
Heute – Pomade ist zurück
Traditionelle ölbasierte Pomaden, moderne wasserbasierte Rezepturen und UWB-Pomaden sind wieder fester Bestandteil der internationalen Barbershop- und Stylingkultur.
Weitere Informationen über Pomade, ihre Anwendung und klassische Herrenfrisuren findest Du in der Pomade Academy.